Zuckerersatz ohne Kalorien: Welche Süßungsmittel kommen ohne Energie aus?
Welcher Zuckerersatz kommt ohne Kalorien aus? Wir ordnen ein, warum Erythrit auf der Packung 0 kcal/g hat, was das rechtlich heißt und worauf du darüber hinaus achten kannst.
Du suchst einen Zuckerersatz ohne Kalorien? Dann stößt du schnell auf pauschale Aussagen wie „0 Kalorien“. Meist stimmt das nur mit Einschränkung. Hier erfährst du, was hinter der Angabe steckt.
Einen Gesamtüberblick über alle Alternativen findest du im Beitrag Zuckerersatz im Überblick. Hier geht es nur um die Frage nach der Energie.
Kurz beantwortet: Welcher Zuckerersatz hat keine Kalorien?
Rechtlich eindeutig ist der Fall bei Erythrit. Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung führt Erythritol mit 0 kJ/g und 0 kcal/g.[2] Zum Vergleich: Haushaltszucker zählt als Kohlenhydrat mit 4 kcal/g, also etwa 400 kcal pro 100 g.[1]
„Ohne Kalorien“ heißt hier also: für die Nährwertkennzeichnung mit null angesetzt. Warum das nicht ganz dasselbe ist wie „energiefrei“, erfährst du weiter unten.
Zwei Gruppen: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe
Beim Zuckerersatz lohnt es sich, zwei Gruppen auseinanderzuhalten.
Süßstoffe: Stevia (Steviolglykoside), Sucralose und Co.
Süßstoffe süßen sehr intensiv. Ihre Süßkraft (wie süß ein Stoff im Vergleich zu Zucker schmeckt) ist hoch, deshalb braucht es nur winzige Mengen. Beispiele sind Steviolglykoside und Sucralose. Wie die beiden zum Beispiel im Vergleich zu Erythrit abschneiden, liest du in Erythrit oder Stevia.
Zuckeraustauschstoffe: Erythrit im Fokus
Zuckeraustauschstoffe heißen auch Zuckeralkohole oder Polyole. Der Name führt in die Irre: Sie enthalten keinen Ethanol und haben mit alkoholischen Getränken nichts zu tun. Es ist ein chemischer Begriff. Sie ersetzen Zucker meist in ähnlicher Menge, daher spielt ihr Energiegehalt (angegeben in kcal/g, also Kilokalorien pro Gramm) eine größere Rolle. Erythrit ist der Sonderfall mit dem Wert null.
Kalorien im Vergleich: Tabelle der gängigen Alternativen
| Stoff | Gruppe | Energie in kcal/g | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Haushaltszucker | Kohlenhydrat | 4 | Referenzwert für Kohlenhydrate[1] |
| Erythrit | Zuckeralkohol | 0 (Rechenfaktor) | Wird großteils aufgenommen und unverändert über den Urin ausgeschieden[3] |
| Andere Polyole, z. B. Xylit | Zuckeralkohol | 2,4 | Allgemeiner Rechenwert für mehrwertige Alkohole[1] |
Xylit zählt als Polyol, ist also kalorienreduziert, nicht kalorienfrei. Mehr dazu findest du in Erythrit oder Xylit. Isomalt hat laut Verordnung ebenfalls Energie. Einen eigenen Zahlenwert für ihn belegen wir hier nicht.
Warum Erythrit nicht ganz bei null liegt: Der Körper nimmt den Großteil im Dünndarm auf, verstoffwechselt ihn aber kaum und scheidet ihn im Wesentlichen unverändert aus.[3] Den Hintergrund erklärt Erythrit Kalorien.
Was „ohne Kalorien“ nicht bedeutet
Kalorienfrei und Gewicht: Was die Studienlage sagt
Weniger Kalorien im Süßungsmittel bedeuten nicht automatisch weniger Gewicht. Die WHO empfiehlt 2023, nicht-zuckerhaltige Süßungsmittel nicht zur Gewichtskontrolle und nicht zur Senkung des Risikos nichtübertragbarer Krankheiten zu nutzen.[4] Bei Fragen zu Gewicht oder Diabetes hilft dir deine Ärztin oder eine Ernährungsberatung weiter.
Auch das Lebensmittel selbst zählt. Ein Kuchen oder Riegel mit Erythrit enthält weiter Mehl, Fett und Kohlenhydrate, und Kohlenhydrate werden mit 4 kcal/g gerechnet.[1] Zuckerarm heißt nicht kohlenhydratarm. Worauf es bei der Angabe ankommt, steht in Zuckerarm: Was die Angabe bedeutet. Ob es „gesunden“ Zuckerersatz gibt, ordnet Gesunder Zuckerersatz ein.
Verträglichkeit und offene Fragen
Zuckeralkohole können in größeren Mengen abführend wirken. Die EU sieht dafür einen Warnhinweis vor. Die EFSA hat 2023 sogar einen Antrag behandelt, Erythrit von dieser Abführ-Warnung auszunehmen.[3] Wie viel der eigene Bauch verträgt, ist individuell. Mehr dazu in Erythrit Nebenwirkungen. Zu den Diskussionen um eine Herzstudie findest du eine Einordnung in Erythrit und Schlaganfall.
Wie du kalorienfreie Süße im Alltag einordnest
- Kaffee und Tee: Hier fällt wenig Menge an, das Süßungsmittel macht den kleinen Unterschied.
- Joghurt und Backen: Hier zählen vor allem die übrigen Zutaten. Die Nährwerttabelle zeigt, was wirklich drinsteckt. Wie du sie liest, erklärt Süßigkeiten mit wenig Kalorien und Zucker.
- Auf das Etikett schauen: Achte auf „Zuckeraustauschstoffe“ in der Zutatenliste und auf den Hinweis zur abführenden Wirkung.
Kalorienfreie Süße ist eine Option, kein Muss. Wer will, kann alternativ die Süße im Alltag langsam herunterdrehen. Einen guten Einstieg gibt dir der Überblick über alle Alternativen.
Quellen
- Haufe (2011): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information ... / Anhang XIV Umrechnungsfaktoren. haufe.de
- EUR-Lex / Amt für Veröffentlichungen der EU (2011): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates (Lebensmittelinformationsverordnung). eur-lex.europa.eu
- EFSA Journal, EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. efsa.onlinelibrary.wiley.com
- PAHO/WHO (2023): WHO advises not to use non-sugar sweeteners for weight control in newly released guideline. paho.org