Isomalt: Was der Zuckeraustauschstoff ist, wie er wirkt und wie verträglich er ist

Isomalt steckt in Kaugummi, Bonbons und zuckerarmen Snacks. Hier erfährst du, wie er aus Zucker entsteht, wie er im Körper wirkt und wo seine Grenzen liegen.

Isomalt taucht auf Zutatenlisten von Kaugummis, Pastillen und zuckerarmen Süßwaren auf. Viele kennen den Namen, aber nicht den Stoff dahinter. Das ist normal: Er klingt nach Chemie, ist aber gut zu erklären.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Isomalt hergestellt wird, wie er im Körper wirkt und wann die Verträglichkeit eine Rolle spielt. Wir stellen Vorteile und Grenzen nebeneinander. Isomalt ist eine Option, kein Wundermittel und auch kein Risiko an sich.

Isomalt auf einen Blick

Isomalt ist ein Zuckeraustauschstoff aus der Gruppe der Zuckeralkohole (Polyole).[6] Seine E-Nummer ist E 953.[1] Er wird aus Saccharose hergestellt, ist aber nur etwa halb so süß.[1]

Zwei Missverständnisse räumen wir direkt aus. Zuckeralkohol heißt nicht Alkohol: Mit Ethanol hat der Stoff nichts zu tun, der Name beschreibt nur die chemische Struktur. Und Isomalt macht ein Produkt nicht kohlenhydratarm. Die Streuselhappen enthalten zum Beispiel 1,6 bis 4,8 g Zucker je 100 g und gelten damit als zuckerarm, haben aber 55 bis 72 g Kohlenhydrate je 100 g.

Wenn du Zucker reduzieren willst, hilft dir dieses Wissen bei der Einordnung von Zutatenlisten. Praktische Schritte findest du in unserem Ratgeber Zucker reduzieren in kleinen Schritten.

Was ist Isomalt? Herkunft und Herstellung

Isomalt wird in einem zweistufigen Verfahren aus Saccharose gewonnen.[2] Im ersten Schritt lagert ein biotechnologisches Verfahren die Saccharose zu Isomaltulose um. Im zweiten Schritt wird die Isomaltulose katalytisch mit Wasserstoff hydriert, und daraus entsteht Isomalt.[1] Eine Datenbank für Zusatzstoffe beschreibt es so: Er wird ausschließlich aus Zucker hergestellt.[5]

Eine kurze Definition und die Grundlagen findest du außerdem im Beitrag Was ist Isomalt?.

Warum Isomalt trotz Herkunft aus Zucker kein Zucker ist

Der Ausgangsstoff ist Zucker, das Ergebnis ist ein anderer Stoff. Durch die Hydrierung wird aus dem Zucker ein Zuckeralkohol. Der Körper behandelt ihn anders: Verdauungsenzyme spalten Isomalt kaum auf, stattdessen baut ihn vor allem die Darmflora ab.[1] Deshalb zählt Isomalt zu den Zuckeraustauschstoffen und steht nicht in einer Reihe mit Haushaltszucker.[3]

Wie wirkt Isomalt im Körper?

Isomalt wird im Darm nur teilweise verdaut.[2] Ein Teil bleibt unverdaut und wird von der Darmflora abgebaut.[1] Das erklärt zwei Dinge: den geringeren Energiewert und die mögliche abführende Wirkung bei größeren Mengen.

Zuckeraustauschstoffe liefern insgesamt weniger Kalorien als Zucker.[3] Für Isomalt beschreibt eine Übersichtsarbeit etwa die Hälfte des Energiewerts von Saccharose.[2] Das gilt für den Stoff selbst. Wie viele Kalorien ein fertiges Produkt hat, hängt von allen Zutaten ab. Die Streuselhappen liegen zum Beispiel bei 409 bis 501 kcal je 100 g.

Isomalt und Blutzucker

Eine Übersichtsarbeit zu Zuckeralkoholen kommt zu dem Ergebnis, dass Isomalt Blutglukose- und Insulinspiegel nicht erhöht.[2] Das betrifft den Stoff Isomalt, nicht das ganze Lebensmittel. Backwaren und Snacks enthalten oft Mehl, Stärke oder Früchte, und diese Kohlenhydrate wirken sich auf den Blutzucker aus.

Isomalt und Zähne

Laut Verbraucherzentrale sind Zuckeraustauschstoffe nicht kariogen, verursachen also keine Karies.[3] Das ist eine allgemeine Eigenschaft dieser Stoffklasse. Es ist keine Aussage über ein bestimmtes Lebensmittel, und Zähneputzen ersetzt sie nicht.

Isomalt und Verträglichkeit: Nebenwirkungen realistisch eingeordnet

Die wichtigste Grenze von Isomalt ist die Verdauung. Er kann in großen Mengen abführend wirken.[4] Das gilt für Zuckeraustauschstoffe allgemein.[3] Wegen dieser Wirkung steht auf Packungen mit zugesetzten Polyolen ein Hinweis, dass übermäßiger Verzehr abführend wirken kann.[6]

Ab welcher Menge Beschwerden auftreten, lässt sich nicht pauschal sagen. Das lebensmittellexikon.de nennt keine Höchstmengenbeschränkung.[4] Eine Einzelangabe aus einem Zusatzstoff-Lexikon nennt Blähungen und Durchfall ab etwa 20 g, einen Studienbeleg dafür gibt es dort nicht.[1] Nimm den Wert deshalb als groben Anhaltspunkt, nicht als feste Grenze.

Das hilft im Alltag:

  • Langsam steigern: Probier zuerst kleine Portionen und achte darauf, wie du sie verträgst.
  • Gesamtmenge im Blick behalten: Isomalt kommt oft zusammen mit anderen Zuckeralkoholen vor. Was dein Darm verkraftet, hängt von der Summe ab.
  • Auf die Packung achten: Der Hinweis zur abführenden Wirkung ist dein Signal, die Menge im Auge zu behalten.

Polyole zählen außerdem zu den FODMAPs, also zu vergärbaren Kohlenhydraten, die bei empfindlichem Darm Beschwerden auslösen können. Die Monash University nennt Isomalt ausdrücklich unter den zugesetzten Polyolen.[6] Wenn du einen Reizdarm hast oder auf FODMAPs reagierst, sprich vorab mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Ist Isomalt schädlich? Kurzfassung

Die Quellen beschreiben vor allem die Verdauung als Grenze, also Blähungen, weichen Stuhl und Durchfall bei größeren Mengen. Mehr zur Sicherheitsfrage lesen wir im Beitrag Ist Isomalt schädlich?. Bei Erythrit stellt sich dieselbe Frage, dazu gibt es den Mythen-Check zu Erythrit.

Isomalt vs. Zucker: Die Unterschiede im Überblick

Die Tabelle fasst zusammen, was die Quellen zu Isomalt im Vergleich zu Saccharose (Haushaltszucker) hergeben.

Isomalt und Saccharose im Vergleich
Merkmal Saccharose (Zucker) Isomalt
Einordnung Zucker Zuckeraustauschstoff (Polyol), E 953[6]
Herkunft Ausgangsstoff aus Saccharose in zwei Schritten hergestellt[2]
Süßkraft Referenz etwa 40 bis 65 % von Saccharose[2][5]
Energiewert Referenz etwa die Hälfte von Saccharose[2]
Blutglukose und Insulin – laut Übersichtsarbeit kein Anstieg[2]
Karies – Zuckeraustauschstoffe gelten als nicht kariogen[3]
Verdauung – in großen Mengen abführend[4]

Die Zahlen zur Süßkraft schwanken je nach Quelle. Deshalb nennen wir eine Spanne. Wer nach Rezept zuckert, merkt den Unterschied sofort: Die gleiche Menge Isomalt süßt deutlich schwächer.

Noch mehr Details zum Vergleich findest du im Beitrag Isomalt und Zucker im direkten Vergleich. Wie viel freier Zucker pro Tag üblich ist, erklärt der Ratgeber zum Zucker-Tagesbedarf.

Erythrit als Gegenstück

Erythrit ist ein weiterer Zuckeraustauschstoff. In Süßwaren und Snacks tauchen Isomalt und Erythrit manchmal gemeinsam auf der Zutatenliste auf. Beide haben Vorteile und Grenzen, und bei beiden gilt: Größere Mengen können auf den Magen schlagen. Wie sie sich unterscheiden, erfährst du im Erythrit-Ratgeber und im Vergleich Erythrit oder Xylit.

Wo steckt Isomalt drin? Verwendung in Lebensmitteln und Küche

Die Monash University nennt Isomalt als Polyol, das Lebensmitteln zugesetzt wird, zum Beispiel in Kaugummis und Pastillen.[6] Auf der Zutatenliste erkennst du ihn als „Isomalt“ oder „E 953“. Süßungsmittel gelten als Zusatzstoffe und müssen mit Klassenname und Bezeichnung oder E-Nummer im Zutatenverzeichnis stehen.[3] Auf Packungen mit zugesetzten Polyolen findest du außerdem den Hinweis zur möglichen abführenden Wirkung.[6]

Isomalt in Süßigkeiten und Snacks

Isomalt ersetzt in Süßwaren einen Teil des Zuckers. Das gilt auch für die Streuselhappen: Sie enthalten Isomalt und Erythrit und gelten mit 1,6 bis 4,8 g Zucker je 100 g als zuckerarm. Sie haben 55 bis 72 g Kohlenhydrate je 100 g. Beide Süßungsmittel können in größeren Mengen abführend wirken. Wie sich „zuckerarm“ von „zuckerfrei“ unterscheidet, erklärt der Beitrag Zuckerfrei vs. zuckerarm. Weitere Ideen findest du unter zuckerarme Süßigkeiten.

Isomalt zum Backen und Dekorieren

In der Patisserie schätzt man Isomalt, weil sich heißes Isomalt plastisch verformen lässt. Damit entstehen Zuckerschaustücke.[4] Wer Isomalt zum Backen nutzt, sollte bedenken, dass er nur etwa halb so süß ist wie Zucker.[1] Ein Austausch im Verhältnis 1:1 ergibt deshalb weniger Süße. Genaue Temperaturen und Rezepturen gehören in Anleitungen für die Konditorei, die du bei Bedarf mit den Herstellerangaben der Packung abgleichst. Ein Beispiel aus dem Alltag ist unser Rezept für Streuselkuchen ohne Zucker.

Für wen ist Isomalt eine Option, und worauf solltest du achten?

Zucker reduzieren: Isomalt senkt den Zuckergehalt eines Produkts, nicht automatisch seine Kohlenhydrate oder Kalorien. Ein Blick auf die Nährwerttabelle zeigt dir beides. Einen Einstieg bietet der Ratgeber Zucker reduzieren in kleinen Schritten.

Diabetes oder Insulinresistenz: Zähl die Kohlenhydrate mit. Therapiefragen gehören ins Gespräch mit deinem Diabetes-Team oder deiner Ärztin. Wir geben dazu keine Empfehlung.

Sport und unterwegs: Teste Snacks mit Zuckeraustauschstoffen zuerst im Alltag, nicht erst im Wettkampf oder auf der langen Tour. Dann weißt du, wie dein Magen reagiert. Mehr dazu liest du im Ratgeber Was essen vor dem Training?.

Low Carb und Keto: Isomalt ist dafür kein passender Baustein. Produkte mit Isomalt können viele Kohlenhydrate enthalten, wie das Beispiel der Streuselhappen mit 55 bis 72 g je 100 g zeigt.

Häufige Fragen zu Isomalt

Wie gesund ist Isomalt?

„Gesund“ ist bei einem einzelnen Süßungsmittel keine passende Kategorie. Sachlich lässt sich sagen: Isomalt liefert etwa die Hälfte des Energiewerts von Saccharose und erhöht laut einer Übersichtsarbeit Blutglukose und Insulin nicht.[2] Größere Mengen können abführend wirken.[4] Mehr dazu im Beitrag Ist Isomalt schädlich?.

Welche Nebenwirkungen hat Isomalt?

Bei größeren Mengen sind Blähungen und Durchfall möglich.[1] Die Darmflora baut den Teil ab, den der Dünndarm nicht aufnimmt.[1] Wie stark du reagierst, ist individuell.

Was ist Isomalt beim Backen?

Isomalt dient in der Patisserie unter anderem für Zuckerschaustücke, weil sich heißes Isomalt gut formen lässt.[4] Beim normalen Backen musst du beachten, dass er nur etwa halb so süß ist wie Zucker.[1]

Was ist der Unterschied zwischen Zucker und Isomalt?

Isomalt wird aus Saccharose hergestellt, ist aber ein Zuckeraustauschstoff. Er ist weniger süß, liefert weniger Energie und wird im Darm nur teilweise verdaut.[2] Details bietet der Vergleich von Isomalt und Zucker.

Ist Isomalt Zucker?

Nein. Isomalt entsteht zwar aus Zucker, ist aber durch die Hydrierung ein Zuckeralkohol und zählt zu den Zuckeraustauschstoffen.[1][3] Er ist trotzdem nicht kohlenhydratfrei, ein Produkt mit Isomalt kann also viele Kohlenhydrate enthalten.

Wie viel Isomalt darf man am Tag essen?

Eine feste Tagesmenge für alle nennen unsere Quellen nicht. Das lebensmittellexikon.de erwähnt keine Höchstmengenbeschränkung.[4] Ein Zusatzstoff-Lexikon nennt Beschwerden ab etwa 20 g, allerdings ohne Studienbeleg.[1] Taste dich langsam an deine persönliche Verträglichkeit heran.

Wie viele Kalorien hat Isomalt?

Etwa die Hälfte des Energiewerts von Saccharose.[2] Der genaue Wert eines Produkts hängt von den übrigen Zutaten ab, deshalb lohnt der Blick in die Nährwerttabelle.

Lässt Isomalt den Blutzucker ansteigen?

Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass Isomalt Blutglukose und Insulin nicht erhöht.[2] Das gilt für den Stoff selbst. Ein Lebensmittel mit Isomalt kann trotzdem Kohlenhydrate aus anderen Zutaten enthalten. Bei Diabetes sprich die Mengen mit deinem Diabetes-Team ab.

Quellen

  1. Zusatzstoffmuseum (2017): E 953 Isomalt – Lexikon der Zusatzstoffe (Auszug aus Udo Pollmer, Zusatzstoffe von A-Z). zusatzstoffmuseum.de
  2. Journal of Food and Drug Analysis (2021): Suitability of sugar alcohols as antidiabetic supplements: A review. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Verbraucherzentrale: Süßungsmittel: Was sind Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe? verbraucherzentrale.de
  4. lebensmittellexikon.de: Isomalt, Palatinit, E 953. lebensmittellexikon.de
  5. transGEN: Isomalt E953. transgen.de
  6. Monash University FODMAP: What are Polyols. monashfodmap.com