Ist Erythrit schädlich? Der Mythen-Check zu Herzrisiko, Krebs und Verdauung
Schlagzeilen zu Erythrit klingen alarmierend. Wir trennen, was belegt ist, was Hypothese bleibt und was nicht belegt ist: bei Herz, Krebs und Verdauung.
Du hast Schlagzeilen über Erythrit und Herzinfarkt gelesen und fragst dich, ob du es meiden solltest? Das ist verständlich. Wir trennen: was belegt ist, was Hypothese bleibt und was nicht belegt ist.
Grundlagen zu Herstellung und Eigenschaften findest du im Erythrit-Ratgeber. Die Studienlage ist in Bewegung, wir ordnen den aktuellen Stand ein.
Mythen-Check: Was ist dran, was nicht?
Kurzantwort: Belegt sind Verdauungsbeschwerden bei größeren Mengen. Beim Herzrisiko gibt es eine Assoziation, aber keinen Kausalnachweis. Für Krebs gibt es keine eindeutigen Hinweise.
| Behauptung | Studienlage | Einordnung |
|---|---|---|
| Verursacht Krebs | Nicht genotoxisch; bei zugelassenen Süßungsmitteln kein eindeutiges Krebsrisiko bekannt[2][3] | Nicht belegt |
| Löst Herzinfarkt und Schlaganfall aus | Assoziation in Beobachtungsstudie, Kausalität nicht belegt[1][2] | Offene Frage |
| Verdauungsbeschwerden | Abführende Wirkung bei hoher Aufnahme[2] | Belegt bei größeren Mengen |
| Blutzucker | Begrenzte, aber konsistente Hinweise auf keinen Einfluss; keine Langzeitstudien[2] | Daten begrenzt |
Mythos 1: Erythrit verursacht Krebs
Die EFSA stuft Erythrit als nicht genotoxisch ein.[2] Der Krebsinformationsdienst schreibt, dass von keinem der in Deutschland zugelassenen Süßungsmittel nach heutigem Kenntnisstand eindeutig ein Krebsrisiko ausgeht. Erythrit wird dort nicht einzeln genannt, die Aussage gilt für die ganze Gruppe.[3]
Mythos 2: Erythrit löst Herzinfarkt und Schlaganfall aus
Das ist nicht belegt. Es gibt eine Assoziation, mehr dazu im nächsten Abschnitt.[1][2]
Mythos 3: Erythrit ist ein Gift, weil er künstlich ist
„Künstlich“ sagt wenig über Sicherheit aus. Zugelassene Zusatzstoffe gelten nach heutigem Wissen als sicher, wenn sie wie vorgesehen verwendet werden.[3] Dein Körper bildet Erythrit außerdem selbst.[4]
Mythos 4: Erythrit ist völlig unbedenklich
Auch das stimmt so nicht. Bei größeren Mengen bleibt der Warnhinweis zur abführenden Wirkung bestehen.[2]
Die Herz-Studie genauer angeschaut
Kurzantwort: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis. Die Autoren fordern selbst Langzeit-Sicherheitsstudien.[1]
Das Team um Witkowski untersuchte 2023 in Nature Medicine Patienten, die wegen ihres Herzrisikos abgeklärt wurden (Kohorten mit 1.157, 2.149 und 833 Personen). Höhere Erythritspiegel im Blut waren mit schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen (Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall) innerhalb von 3 Jahren verbunden. Die bereinigten Hazard Ratios (relatives Risiko im Zeitverlauf) lagen bei 1,80 bzw. 2,21 für das oberste gegenüber dem untersten Viertel. In Labor- und Tierversuchen erhöhte Erythrit zudem die Reaktivität der Blutplättchen.[1]
Warum das kein Beweis ist
- Assoziation ist nicht Kausalität: Die EFSA sieht keinen belegten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, hält weitere Forschung aber für hilfreich.[2]
- Körpereigene Bildung: Unklar ist, ob die Blutspiegel die Aufnahme über Lebensmittel widerspiegeln.[2] Bei höheren HbA1c-Werten fand eine andere Studie deutlich mehr Erythrit im Blut, der Spiegel kann also auch den Stoffwechsel abbilden.[4]
- Kleine Pilotdaten: Der Probandenversuch umfasste nur 8 gesunde Freiwillige.[1]
Ehrlich gesagt: Die Studienlage ist noch dünn. Mehr findest du im Beitrag zu Erythrit und Gesundheit. Hast du eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Was wirklich ein Nachteil sein kann: Verdauung
Kurzantwort: Große Mengen Erythrit können abführend wirken. Die EFSA nennt 0,5 g pro kg Körpergewicht als höchste Dosis ohne Durchfall.[2]
Aus dieser Dosis leitete die EFSA 2023 den ADI von 0,5 g pro kg Körpergewicht und Tag ab, früher gab es keinen. Bei 70 kg sind das rechnerisch 35 g am Tag. Die tatsächliche Aufnahme liegt laut EFSA in allen untersuchten Gruppen darüber, Menschen mit hoher Aufnahme können Nebenwirkungen bekommen. Der Warnhinweis „übermäßiger Verzehr kann abführend wirken“ bleibt gültig.[2]
Verteile Süßes daher über den Tag und lies die Zutatenliste. Den Vergleich mit einem anderen Zuckeralkohol findest du bei Erythrit oder Xylit.
Schwangerschaft, Kinder, Diabetes: Kurz eingeordnet
Schwangerschaft und Kinder: Die EFSA weist darauf hin, dass die Studienlage aus kleinen Interventionsstudien besteht und nicht alle Altersgruppen abdeckt.[2] Bei Unsicherheit frag deine Frauenärztin oder den Kinderarzt.
Diabetes: Die EFSA nennt begrenzte, aber konsistente Hinweise, dass Erythrit den Blutzucker nicht beeinflusst, Langzeitstudien fehlen.[2] Ein Produkt mit Erythrit kann trotzdem reichlich Kohlenhydrate enthalten. Schau in die Nährwerttabelle, mehr dazu bei Zuckerfrei vs. zuckerarm. Therapiefragen klärst du mit deinem Diabetes-Team.
So gehst du entspannt damit um
Das Gesamtbild deiner Ernährung zählt mehr als ein einzelner Stoff. Wechsle zwischen Süßungsmitteln ab, halte die Mengen moderat und lies die Zutatenliste. Zuckerarm ist eine Option, kein Muss.
Mehr zu Eigenschaften findest du im Erythrit-Ratgeber, Tipps zum Backen bei Erythrit backen.
Quellen
- Nature Medicine (Witkowski et al.) (2023): The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. nature.com
- EFSA – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive (Plain Language Summary). efsa.europa.eu
- Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (2024): Lebensmittelzusatzstoffe und Süßstoffe: Kontrolliert und geprüft. krebsinformationsdienst.de
- PNAS (Hootman et al.) (2017): Erythritol is a pentose-phosphate pathway metabolite and associated with adiposity gain in young adults. pnas.org