Erythrit in der Schwangerschaft und Stillzeit: Was bekannt ist und worauf du achten kannst

Erythrit (E 968) ist als Zusatzstoff bewertet, doch gezielte Daten zu Schwangeren fehlen. Wir ordnen ein, was bekannt ist, was offen bleibt und worauf du im Alltag achten kannst.

Du bist schwanger oder stillst und hast auf einer Zutatenliste „Erythrit“ entdeckt? Dann fragst du dich vermutlich, ob das okay ist. Hintergründe zu Herkunft und Verwendung findest du im Erythrit-Überblick.

Hier trennen wir, was bewertet ist, was für Schwangere nicht gesondert geklärt ist und was im Alltag zählt. „Nicht gesondert geregelt“ heißt nicht „als besonders geeignet belegt“.

Was zur Sicherheit von Erythrit bekannt ist

Zulassung und Datenlage

Erythrit trägt als Zusatzstoff die Nummer E 968. Die EFSA hat ihn 2023 neu bewertet. Danach wird Erythrit dosisabhängig aufgenommen und unverändert über den Urin ausgeschieden. Bedenken zur Genotoxizität (Schädigung des Erbguts) nennt die Bewertung nicht.[1] Die Aufnahme im Dünndarm beziffert sie mit 60 bis 90 %.[1] Schon 2015 befasste sich die EFSA mit Erythrit, damals bei einer geplanten Erweiterung der Verwendung in alkoholfreien Getränken.[4]

Zahlen aus der EFSA-Bewertung zu Erythrit (E 968)
Kennzahl Wert Bedeutung
Aufnahme im Dünndarm 60 bis 90 %[1] Hoher Anteil wird aufgenommen und unverändert über den Urin ausgeschieden
ADI 0,5 g/kg Körpergewicht pro Tag[1] Soll vor der abführenden Wirkung schützen; kein eigener Wert für Schwangere oder Stillende
NOAEL (Einzeldosis) 0,5 g/kg Körpergewicht[2][3] Niedrigste Menge, bei der in Humanstudien noch kein Durchfall auftrat

Was nicht untersucht ist

Der ADI gilt als Schutzwert gegen die abführende Wirkung. Für Schwangere oder Stillende legt die EFSA keinen eigenen Wert fest.[1] Deshalb gilt: Wir können dir keine belegte Höchstmenge für diese Lebensphase nennen. Das ist keine Warnung, sondern eine ehrliche Lücke.

Die Herzstudie von 2023 (Cleveland Clinic, Nature Medicine) fand bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiko einen Zusammenhang: Hohe Erythritspiegel im Blut gingen mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen innerhalb von 3 Jahren einher (adjustierte Hazard Ratio 1,80 bzw. 2,21 im vierten gegenüber dem ersten Quartil). Es ist eine Beobachtung, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Die Teilnehmenden waren keine Schwangeren, und die Interventionsstudie umfasste nur 8 gesunde Freiwillige. Die Autor:innen fordern selbst weitere Studien zur Langzeitsicherheit.[5] Eine ausführliche Einordnung findest du im Artikel Ist Erythrit schädlich?

Verträglichkeit: Worauf du achten kannst

Die EFSA hält es für möglich, dass Erythrit beim Menschen Durchfall auslöst.[1] Schon der frühere EU-Lebensmittelausschuss sah die abführende Wirkung erst bei höheren Dosen als bei anderen Polyolen (Zuckeralkoholen).[3] Frei von Beschwerden ist Erythrit damit nicht. Details findest du unter Erythrit Nebenwirkungen.

Zutatenliste lesen: E 968 erkennen

Erythrit steht auf Verpackungen als „Erythrit“ oder „E 968“. Schau bei zuckerarmen Produkten, Kaugummi, Riegeln oder Süßigkeiten kurz auf die Zutatenliste.

Mehrere Zuckeralkohole in einem Tag

Zuckeralkohole stecken oft in mehreren Produkten gleichzeitig. Rechne deshalb den ganzen Tag zusammen, nicht nur ein einzelnes Lebensmittel. Praktisch heißt das:

  • Starte mit kleinen Portionen und steigere die Menge nur langsam.
  • Beobachte, wie dein Körper reagiert.
  • Lass das Produkt weg, wenn du Beschwerden bekommst.

Stillzeit: Was gilt hier?

Für die Stillzeit können wir keine belegten Aussagen machen, etwa dazu, wie viel Erythrit in die Muttermilch übergeht. Auch hier gibt es keinen eigenen Wert der EFSA.[1] Wenn du unsicher bist, frag deine Hebamme oder Ärzt:in.

Schwangerschaftsdiabetes: Wann Zuckeralternativen ein Thema werden

Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) ist häufig und keine Frage von Schuld. Laut Robert Koch-Institut stieg die altersstandardisierte Häufigkeit in Deutschland von 4,7 % im Jahr 2013 auf 8,5 % im Jahr 2021, in allen Altersgruppen.[6] Andere Schätzungen gehen von etwa 15 % der Schwangeren aus; sie weichen je nach Datenquelle ab.[7]

Wenn bei dir Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, kläre Ernährungsfragen mit deiner Frauenärzt:in und dem Diabetes-Team oder einer Ernährungsberatung. Zuckeralternativen ersetzen keine Therapie. Eine Orientierung zu Zuckermengen gibt dir der Artikel Zucker-Tagesbedarf.

Erythrit, Xylit, Stevia: Zuckerreduktion ist eine Option

Wie Erythrit im Vergleich zu anderen Zuckeralternativen abschneidet, erklären die Artikel Erythrit oder Xylit und Erythrit oder Stevia. Einen breiteren Überblick gibt Zuckerersatz im Überblick.

Zuckerreduktion ist eine Option, kein Muss. In der Schwangerschaft zählen vor allem deine Gesamternährung und die Gesamtmenge, nicht eine einzelne Zutat. Bei Unsicherheit ist das Gespräch mit Frauenärzt:in oder Hebamme der beste nächste Schritt.

Quellen

  1. EFSA Journal, EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. efsa.onlinelibrary.wiley.com
  2. EFSA (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive (Plain language summary). efsa.europa.eu
  3. EFSA Journal / PubMed Central (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive (PMC). ncbi.nlm.nih.gov
  4. EFSA Journal, EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (2015): Scientific Opinion on the safety of the proposed extension of use of erythritol (E 968) as a food additive. doaj.org
  5. Nature Medicine, Witkowski et al. (2023): The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. nature.com
  6. Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring (2024): Prävalenz von Gestationsdiabetes mellitus in Deutschland: Trend und Unterschiede nach regionaler sozioökonomischer Deprivation. rki.de
  7. Springer (2024): Trends des Gestationsdiabetes in Deutschland. link.springer.com