Gesunde Snacks kaufen: Worauf du bei Zutaten, Zucker und Süßungsmitteln achtest

„Gesund“ steht auf vielen Verpackungen, sagt aber wenig aus. Mit vier Schritten vergleichst du Snacks selbst: Zutatenliste, Zucker pro 100 g, Süßungsmittel und Gesamtbild.

Im Regal sieht vieles nach „gesund“ aus: Körner, grüne Farben, schlichte Schrift. Welcher Snack zu dir passt, siehst du dort aber nicht. Dieser Artikel gibt dir eine Checkliste, mit der du Produkte selbst vergleichst.

Ideen für Snacks findest du im Ratgeber gesunde Snacks. Hier geht es um das Handwerkszeug für den Einkauf.

Was „gesund“ auf der Verpackung bedeutet (und was nicht)

„Gesund“ ist keine Zahl und taucht in keiner Nährwerttabelle auf. Auch Wörter wie „fit“, „natürlich“ oder „ohne Zusatzstoffe“ sagen nicht, wie viel Zucker oder Energie ein Snack enthält. Verlässlich sind Zutatenliste und Nährwerttabelle auf der Rückseite. Nicht jeder Snack muss „gesund“ sein, um in deinen Alltag zu passen.

Schritt 1: Die Zutatenliste lesen

Zutaten stehen nach Gewichtsanteil absteigend auf der Packung.[3] Die ersten drei Einträge prägen deshalb das Produkt. Eine kurze Liste ist nicht automatisch besser, aber leichter zu überblicken.

Zuckerarten in der Zutatenliste erkennen

Zucker steht nicht immer als „Zucker“ da. Hersteller nutzen viele Bezeichnungen, etwa Saccharose, Dextrose, Glukose, Glukosesirup oder Maltose.[6] Alle tragen zum Zuckergehalt bei. Der verlässlichste Wert bleibt die Zeile „davon Zucker“ in der Nährwerttabelle.

Schritt 2: Zucker pro 100 g vergleichen

Vergleiche Produkte immer pro 100 g, nicht pro Packung oder Portion, denn Portionsgrößen unterscheiden sich. Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Snack A hat 18 g Zucker pro 100 g, Snack B hat 4 g. Bei einer 30-g-Portion sind das 5,4 g gegenüber 1,2 g. Steht die Angabe nur pro Portion, rechnest du auf 100 g um.

Als Orientierung dient die Angabe „zuckerarm“: Sie ist bei festen Lebensmitteln nur erlaubt, wenn nicht mehr als 5 g Zucker pro 100 g enthalten sind.[5] Wie du Nährwerte noch genauer liest, zeigt der Ratgeber Nährwerte richtig lesen.

Für die Tagesmenge nennt die WHO eine Richtgröße: freier Zucker unter 10 % der Gesamtenergie. Eine weitere Reduktion auf unter 5 %, etwa 25 g pro Tag, brächte laut WHO zusätzliche Vorteile. Die Leitlinie gilt nicht für Zucker in frischem Obst und Gemüse oder natürlich in Milch.[1] Mehr dazu im Artikel Zucker-Tagesbedarf.

Zuckerarm, zuckerfrei, ohne Zuckerzusatz: die Unterschiede

Die Begriffe klingen ähnlich, bedeuten aber Unterschiedliches. „Zuckerarm“ ist über die Grenze von höchstens 5 g pro 100 g klar definiert.[5] Den Vergleich vertieft der Artikel Zuckerfrei vs. zuckerarm.

Schritt 3: Süßungsmittel einordnen

Wenn Hersteller Zucker ersetzen, tun sie das oft mit Zuckeraustauschstoffen wie Erythrit oder Isomalt. Sie gehören zu den Polyolen. Der Vorteil: Das Produkt kommt mit weniger Zucker aus.

Die Grenze liegt bei der Menge. Polyole können in größeren Mengen abführend wirken. Deshalb müssen Lebensmittel mit mehr als 10 % Polyolen den Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.[2][4] Für Erythrit hat die EFSA 2023 einen ADI (duldbare tägliche Aufnahme) von 0,5 g pro kg Körpergewicht abgeleitet, der vor dieser abführenden Wirkung schützen soll.[2] Weitere Fragen klärt der Artikel Ist Erythrit schädlich?

Die Verträglichkeit ist individuell. Taste dich bei neuen Produkten an kleine Mengen heran. Süßungsmittel sind weder Freifahrtschein noch Grund zur Sorge, sondern eine Option mit Vor- und Nachteilen.

Schritt 4: Kohlenhydrate, Kalorien und Eiweiß im Blick behalten

Zuckerarm heißt nicht kohlenhydratarm. Kohlenhydrate stehen als eigene Zeile in der Tabelle, auch Mehl und Stärke zählen dazu. Streusel-Snacks mit Dinkelmehl, etwa die Streuselhappen von SMAMBLYBITE, liegen bei 55–72 g Kohlenhydraten pro 100 g und zugleich bei unter 5 g Zucker. Sie enthalten Isomalt und Erythrit. Das zeigt, wie weit die Kennzahlen auseinanderliegen können.

Welches Profil passt, hängt vom Anlass ab: im Büro, nach dem Training oder abends. Wenn du deinen Blutzucker managen musst, sprich die Auswahl mit deiner Ärzt:in oder deinem Diabetes-Team ab.

Einkaufs-Übersicht: Was du wo prüfst
Auf der Packung Wo schauen Worauf achten
Zutaten Zutatenliste Reihenfolge nach Gewicht, Zuckernamen wie Glukosesirup
Zucker Nährwerttabelle, „davon Zucker“ Pro 100 g vergleichen; höchstens 5 g gelten als zuckerarm
Süßungsmittel Zutatenliste, Hinweistext Hinweis zur abführenden Wirkung bei über 10 % Polyolen
Kohlenhydrate und kcal Nährwerttabelle Separat prüfen, passend zum Anlass
Portion Nährwerttabelle, Packungsangabe Mehrere Portionen pro Packung möglich

Kurz-Checkliste für den Einkauf

  • Sind die Zutaten kurz und verständlich?
  • Wie viel Zucker steckt pro 100 g drin?
  • Welche Süßungsmittel sind enthalten, und verträgst du sie?
  • Passen Kohlenhydrate und Kalorien zu deinem Anlass?
  • Schmeckt es dir?

Der letzte Punkt zählt wirklich: Ein Snack, den du gern isst, passt eher in deinen Alltag als einer, der nur „richtig“ aussieht. Weiterführend: zuckerarme Süßigkeiten und der Ratgeber gesunde Snacks.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2015): WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children. apps.who.int
  2. EFSA Journal (EFSA Panel on Food Additives and Flavourings) (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. efsa.onlinelibrary.wiley.com
  3. gesetze.legal (2011): Anhang VII LMIV (VO (EU) 2011/1169): Angabe und Bezeichnung von Zutaten. gesetze.legal
  4. freiRecht.de (2011): Anhang III VO (EU) 2011/1169. freirecht.de
  5. freiRecht.de (2006): Anhang VO (EG) 2006/1924. freirecht.de
  6. Lebensmittelklarheit (Verbraucherzentralen / vzbv): Zucker hat viele Namen. lebensmittelklarheit.de