Haferflocken und Blutzucker: Was Beta-Glucan bewirkt und was die Haferkur ist

Haferflocken enthalten Kohlenhydrate, doch der Hafer-Ballaststoff Beta-Glucan kann den Blutzuckeranstieg nach dem Essen abflachen. Wir ordnen ein, was belegt ist, was die Haferkur ist und wo die Grenzen liegen.

Haferbrei gilt als Klassiker bei Diabetes. Das hat einen Grund: Im Hafer steckt Beta-Glucan, ein Ballaststoff, der in der Forschung seit Jahren untersucht wird. Trotzdem ist „senken“ ein großes Wort. Hier erfährst du, was Studien tatsächlich zeigen.

Wie Ernährung den Blutzucker insgesamt beeinflussen kann, erklären wir im Beitrag Blutzucker senken: Was Ernährung und Alltag bewirken können. Hier geht es nur um den Hafer.

Was Beta-Glucan nach dem Essen bewirken kann

Eine Übersichtsarbeit mit Metaanalyse hat 103 Studienvergleiche mit zusammen 538 Personen ausgewertet. Dabei wurde Hafer-Beta-Glucan zu kohlenhydrathaltigen Testmahlzeiten hinzugefügt. Ergebnis: Die Fläche unter der Blutzuckerkurve nach der Mahlzeit sank um etwa 23 %, der höchste Anstieg um etwa 28 %.[1]

Wichtig für die Einordnung:

  • Es geht um Beta-Glucan als Zusatz zu Testmahlzeiten, nicht um eine bestimmte Portion Haferflocken aus der Packung.
  • Gemessen wurde die Reaktion nach einer einzelnen Mahlzeit. Langzeitwerte wie der HbA1c sind nicht Teil dieser Aussage.[1]

Senken oder abflachen? Ein wichtiger Unterschied

Haferflocken sind ein kohlenhydratreiches Lebensmittel. Die genaue Menge steht auf der Nährwerttabelle deiner Packung. Wer Kohlenhydrate zählt, rechnet sie deshalb wie jede andere Getreidequelle mit ein.

Die Studiendaten sprechen dafür, dass Beta-Glucan den Anstieg nach einer Mahlzeit abflachen kann. Das ist keine Therapie und kein Ersatz für Medikamente. Weitere Lebensmittel, bei denen das diskutiert wird, ordnen wir in Lebensmittel, die den Blutzucker senken? ein. Zu Zimt im Haferbrei findest du die Studienlage in Zimt und Blutzucker.

Die Haferkur bei Diabetes

Die Haferkur ist eine kurzzeitige, ärztlich begleitete Maßnahme bei Typ-2-Diabetes. Sie ist kein normaler Speiseplan.

Wie lange dauert eine Haferkur?

Eine typische Haferkur dauert 3 Tage mit etwa 800 bis 1.000 kcal pro Tag. Auf Wunsch kann ein vierter Tag angehängt werden.[2] Es gibt dreimal täglich Haferbrei aus je 75 g Haferflocken, gekocht in 300 bis 500 ml Wasser oder fettfreier Brühe.[2]

Die Wirkung lässt nach einigen Tagen nach, nach vier Wochen sind noch Veränderungen messbar. Deshalb empfehlen viele Diabetologen, die Kur alle vier bis sechs Wochen zu wiederholen.[2]

Wie belastbar ist die Evidenz?

Eine Studie von 2008 untersuchte 14 übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes. Sie aßen zwei Tage lang nur Hafermahlzeiten mit 1.100 kcal pro Tag. Der mittlere Blutzucker sank und lag vier Wochen später noch unter dem Ausgangswert.[3] Das ist eine kleine Studie. Sie zeigt ein Signal, aber keinen Beweis für alle.

Was du vor einer Haferkur beachten solltest

Wer Insulin spritzt, muss die Menge unter Umständen anpassen, sonst droht eine Unterzuckerung.[3] Auch Sulfonylharnstoffe müssen eventuell angepasst werden, und bei Metformin soll der Arzt die Dosierung im Blick behalten.[2]

Schon ein Hafertag wirkt intensiv auf die Blutzuckerwerte, so dass in manchen Fällen die Insulinmengen reduziert werden sollten, um Unterzuckerungen zu vermeiden
Dr. Winfried Keuthage, Ernährungsmediziner und Diabetologe in Münster – Quelle

Haferflocken im Alltag

Im normalen Speiseplan sind Haferflocken ein Getreideprodukt unter vielen. Rechne sie bei der Kohlenhydratmenge mit, wenn du Kohlenhydrate zählst. Bewegung nach dem Essen kann den Blutzucker zusätzlich beeinflussen, mehr dazu in Blutzucker natürlich senken. Bei Insulinresistenz findest du Hintergründe in Insulinresistenz: Ernährung im Alltag.

Wann du ärztlichen Rat brauchst

  • Du hast Diabetes oder Prädiabetes und willst deine Ernährung umstellen: Besprich es mit deinem Diabetes-Team.
  • Du nimmst Insulin oder Tabletten: Passe Dosierungen nie selbst an.
  • Du hast häufig hohe Werte, starken Durst oder musst oft zur Toilette: Lass das ärztlich abklären.

Einen Überblick über die Ernährung bei Diabetes insgesamt gibt dir der Beitrag Welche Ernährung bei Diabetes?.

Quellen

  1. European Journal of Clinical Nutrition (Nature Publishing Group) (2021): The effect of oat β-glucan on postprandial blood glucose and insulin responses: a systematic review and meta-analysis. nature.com
  2. Apotheken Umschau (2024): Haferkur bei Diabetes: So kann sie helfen. apotheken-umschau.de
  3. AOK – Die Gesundheitskasse (2024): Mit einer Haferkur Diabetes verbessern. aok.de