Zimt und Blutzucker: Was Studien zeigen, wie viel Zimt okay ist und Cassia vs. Ceylon

Einzelstudien und Übersichtsarbeiten kommen bei Zimt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wir ordnen die Studienlage ein und rechnen die Cumarin-Menge für Cassia und Ceylon durch.

Die Suchergebnisse zu Zimt widersprechen sich: Manche Seiten nennen große Prozentzahlen, andere sehen keinen belegten Nutzen. Das liegt daran, dass Einzelstudien und Übersichtsarbeiten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Hier sortieren wir die Daten und rechnen die Cumarin-Menge durch. Das große Bild findest du im Ratgeber Blutzucker senken: Was Ernährung und Alltag bewirken können.

Was Studien zu Zimt und Blutzucker zeigen

Viele Schlagzeilen gehen auf eine Studie von 2003 zurück. Weitere Hausmittel ordnet der Artikel Blutzucker schnell senken mit Hausmitteln ein.

Was für einen Effekt spricht

Khan et al. untersuchten 60 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Sie bekamen Cassia-Zimt in Kapseln mit 1, 3 oder 6 g pro Tag, über 40 Tage. Danach war die Nüchternglukose in allen drei Zimtgruppen um 18–29 % niedriger, in den Placebogruppen gab es keine signifikanten Änderungen.[1] Das sind Werte aus einer einzelnen kleinen Studie, sie lassen sich nicht verallgemeinern.

Was dagegen spricht

Der Cochrane-Review (2012) fasst 10 randomisierte Studien mit 577 Teilnehmenden zusammen. Zimt wurde im Mittel mit 2 g täglich über 4 bis 16 Wochen gegeben. Die Studien waren überwiegend von geringer Qualität. Die Autor:innen fanden keinen Vorteil gegenüber Placebo, anderen Wirkstoffen oder Nichtbehandlung bei Glukosewerten und HbA1c, dem Langzeitwert der Blutzuckereinstellung. Daten zu Folgeerkrankungen und Sterblichkeit fehlen. Der mögliche Wirkmechanismus wurde vor allem in Tierstudien beobachtet, beim Menschen ist die Wirkung laut Cochrane nicht klar.[2]

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) riet 2008 von einer therapiebegleitenden Einnahme ab, weil die Wirkung nicht eindeutig nachgewiesen sei. Die Meldung ist alt und daher nur eine historische Einordnung.[3]

Patienten zu suggerieren, sie könnten damit ihre Stoffwechselsituation verbessern, wird den heutigen Standards in der Diabetestherapie nicht gerecht
Prof. Dr. Hermann P. T. Ammon, Autor der Übersichtsarbeit, Tübingen (zitiert in der DDG-Pressemitteilung von 2008) – diabsite.de

Cassia oder Ceylon: Der Unterschied und das Cumarin-Thema

In der Khan-Studie kam Cassia-Zimt aus Pakistan zum Einsatz.[1] Cassia enthält viel Cumarin, Ceylon nur sehr geringe Mengen.[5] Zu viel Cumarin kann Leberschäden verursachen. Bei gesunden Menschen regeneriert sich die Leber wieder, Kinder und empfindliche Personen sind besonders betroffen.[5]

Das BfR hat eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) festgelegt: 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Sie kann ein Leben lang aufgenommen werden, ohne dass ein gesundheitliches Risiko zu erwarten ist.[4]

Die Rechnung für 60 kg

Bei 60 kg ergibt der TDI 6 mg Cumarin pro Tag. Das BfR empfiehlt für Cassia deshalb höchstens 2 g pro Tag, ungefähr einen gehäuften Teelöffel.[5] Die Studiendosen reichten von 1 bis 6 g Cassia. Die Gruppen mit 3 und 6 g liegen damit über diesem Richtwert.[1][5]

Cassia und Ceylon im Vergleich (Cumarin-Einordnung)
Merkmal Cassia Ceylon
Cumarin-Gehalt hoch sehr gering
BfR-Richtwert für Erwachsene mit 60 kg höchstens 2 g pro Tag deutlich weniger Cumarin, bei häufiger Verwendung zu bevorzugen
Einsatz in der Khan-Studie ja (1, 3 oder 6 g pro Tag) nein

Wie viel Zimt ist sinnvoll?

Eine allgemein gültige „blutzuckersenkende Dosis“ gibt es nicht, denn der Nutzen ist nicht belegt.[2] Zum Würzen von Porridge, Joghurt oder Gebäck besteht bei normalen Verzehrgewohnheiten kein Gesundheitsrisiko. Wer häufig größere Mengen verwendet, sollte laut BfR Ceylon-Zimt bevorzugen.[4]

Belegte Alltagsfaktoren wie Bewegung, Schlaf und Mahlzeitenreihenfolge beschreibt der Artikel Blutzucker natürlich senken. Wenn du insgesamt weniger Zucker essen willst, helfen dir die Tipps in Zucker reduzieren in kleinen Schritten.

Wann du mit Arzt oder Diabetes-Team sprechen solltest

Bei Diabetes oder erhöhten Werten besprichst du Zimt-Kapseln und andere Supplemente vorher mit deiner Ärztin oder deinem Diabetes-Team. Das gilt besonders bei Medikamenten, die den Blutzucker senken: Ohne einschätzbare Wirkung von Zimt besteht laut DDG das Risiko einer zu starken Senkung und damit einer Unterzuckerung.[3]

Quellen

  1. Diabetes Care, American Diabetes Association (2003): Cinnamon Improves Glucose and Lipids of People With Type 2 Diabetes. diabetesjournals.org
  2. Cochrane, Leach & Kumar (2012): Cinnamon for diabetes mellitus. cochrane.org
  3. DiabSite, Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (2008): Zimt ist als Nahrungsergänzung nicht geeignet für Diabetes-Therapie. diabsite.de
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) (2024): Zimt für die Adventsbäckerei. bzfe.de
  5. Verbraucherzentrale Berlin (2024): Zimt in Weihnachtsgebäck: Cassia oder Ceylon? verbraucherzentrale-berlin.de